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Baustellen der Sportpsychologie - Teil 2: Selbstgespräch und Gedankenkontrolle

Rund 60.000 Gedanken laufen jeden Tag durch unser menschliches Gehirn. Nur ein Bruchteil von ihnen ist positiv und aufbauend. Viele sind irrational und selbstabwertend.

 

Nicht alle diese Gedankenströme sind uns bewusst. Manchmal kommen sie in Form von impliziten d.h. unbewussten Selbstgesprächen daher. Wir befassen uns in diesen Momenten also nicht aktiv mit dem was in unsere Kopf gerade los ist, sondern akzeptieren es stillschweigend.

 

Trotzdem haben auch diese unbewussten Selbstgespräche eine große Wirkung auf unser Wohlbefinden und nicht zuletzt auf die (sportliche) Leistung.

 

Warum ist das so?

 

Das Karussell unserer Gedanken steht niemals still, es dreht sich kontinuierlich weiter. Auch wenn wir gerade mit anderen Dingen beschäftigt sind, wirken unsere Gedanken sozusagen „im Hintergrund“ und beeinflussen uns und die Art und Weise wie wir unsere Aufgaben angehen. Der daraus entstehende „innere Dialog“ den wir mit uns selbst führen gibt uns also die Richtung vor.

 

Es gibt leistungsfördernde und leistungshemmende Selbstgespräche und je nachdem welche Art von Selbstgespräch wir verinnerlicht haben, fällt es uns entsprechend einfacher oder schwerer im Wettkampf unsere Top-Leistung zu erbringen. Dass negative Gedanken mit schlechterer sportlicher Leistung einhergehen ist schon lange wissenschaftlich belegt (z.B. durch die Studie von Van Raalte et al., 1994)

 

 

Hier ein paar einfache (aber gängige!) Beispiele für schwächende Gedanken und wie man sich stattdessen stärken kann:

 

„Schon wieder an die Latte geschossen. Peinlich!“
„Ich kann es besser. Ich kann treffen. Abhaken und weiter geht’s.“

 

„Die anderen haben bestimmt besser trainiert.“
„Ich bin hier um mein Bestes zu geben. Nur ich bin wichtig.“

 

„Ich bin erkältet, wie soll ich da eine gute Leistung bringen?“
„Ich gebe alles und übernehme die volle Verantwortung.“


Wir müssen also lernen unsere Gedanken erst zu beobachten um sie in einem zweiten Schritt zum Positiven verändern zu können. Dies ist ein Lern – und Übungsprozess an dessen Anfang immer die Entscheidung steht, die eigenen störenden/schwächenden Gedanken ausfindig zu machen und den Fokus stattdessen auf die Stärken und das Gelingen zu richten.

 

Erfolgreiche Sportler haben sich die Fähigkeit antrainiert auch in schwierigen Situationen die positive Schiene beizubehalten und aus jeder, noch so verzwickten Lage das Bestmögliche herauszuholen.

 

 

 

 

Quellen:

  • Maehrlein, K. (2017). Achtsamkeit ganz praktisch. Offenbach: Gabal.
  • Van Raalte, J.L., Brewer, B.W., Rivera, P.M., & Petitpas, A.J. (1994). The relationship between observable self talk and competitive junior tennis payers' match performance. Journal of Sport
    and Exercise Psychology,
    16, 400-415.
  • Wetzel, J. (2011). Gold - Mental stark zur Bestleistung. Zürich: Orell Füssli.

 

 

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